Temporäre Seitenstreifenfreigabe auf der A 63 zwischen der Anschlussstelle Saulheim und dem Autobahnkreuz Mainz-Süd

Bei hohen Verkehrsbelastungen auf Autobahnen kann die Nutzung des Seitenstreifens als zusätzliche Fahrspur wesentlich zur Verflüssigung des Verkehrs beitragen. In der Regel wird so die Leistungsfähigkeit des Streckenabschnitts um 25 bis 30 Prozent gesteigert. Vor diesem Hintergrund sieht das "Anti-Stau-Programm" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vor, die derzeit rund 210 km Richtungsfahrbahnen mit temporärer Seitenstreifenfreigabe bis 2015 um weitere 350 km zu ergänzen.

A63 Winternheim

Mit knapp 63.000 Kfz pro 24 Stunden zählt die A 63 im Bereich der Anschlussstelle Klein-Winternheim, kurz vor dem Autobahnkreuz Mainz-Süd, zu den stark frequentierten Autobahnabschnitten in Deutschland. Verkehrsengpässe und Verkehrsstörungen treten fast ausschließlich im Berufsverkehr - morgens in Richtung Mainz und abends in Richtung Alzey/Kaiserslautern - auf. Im Vorgriff auf die Einrichtung der temporären Seitenstreifenfreigabe durfte der Seitenstreifen zwischen der Anschlussstelle Nieder-Olm und dem Autobahnkreuz Mainz-Süd seit Ende 2009 als dritte Fahrspur genutzt werden. Ein Seitenstreifen, wie er bei anderen Autobahnen selbstverständlich ist, fehlt seither jedoch.

Ein Seitenstreifen hat viele Vorteile

Der Seitenstreifen ist ein wichtiges Element der Sicherheit auf Autobahnen. Wo er fehlt, können Fahrzeuge bei Pannen oder aus anderen Gründen nicht sicher abgestellt werden und verbleiben im Verkehrsraum. Jeder, der schon einmal mit seinem Fahrzeug auf einer Autobahn liegen geblieben ist, weiß den Seitenstreifen zu schätzen. Der Wegfall des Seitenstreifens ist auch mit höheren Kosten für den Straßenbetriebsdienst verbunden. So verursachen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten erhöhte Ausgaben für die notwendige Absicherung der Fahrbahn. Auch kann die rechte Fahrspur nicht mehr als Fahrweg für Rettungs- und Polizeifahrzeuge genutzt werden.

Reduzierung der Störanfälligkeit

Eine temporäre Seitenstreifenfreigabe wird eingeführt, um die Störanfälligkeit und Stauhäufigkeit während der Hauptverkehrszeit zu reduzieren und die Betriebskosten im Falle von Störungen zu minimieren. Ist die temporäre Seitenstreifenfreigabe aktiviert, wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h begrenzt. Außerdem kann eine Geschwindigkeitsbegrenzung helfen, zusätzliche Schadstoffemissionen zu vermeiden.

Ausstattung

Für die temporäre Seitenstreifenfreigabe wurden die vorhandenen Seitenstreifen für die höhere Belastung verstärkt, mehrere Nothaltebuchten eingerichtet und die Anschlussstellen umgebaut. Eine umfassende Kameraüberwachung ist Voraussetzung für eine lückenlose Störfallerkennung auf dem insgesamt 9,1 km langen Streckenabschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Mainz-Süd und der Anschlussstelle Saulheim. Erst hierdurch kann ein hoher Sicherheitsstandard während der Freigabe des Seitenstreifens garantiert werden. Die Kameras sind so eingestellt, dass ausschließlich die Strecke der A 63 beobachtet wird. Ein Schwenken in private Bereiche abseits der Autobahn ist ausgeschlossen. Ebenso wenig werden die Kamerabilder dauerhaft gespeichert.

Kosten

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt (Autobahnkreuz Mainz-Süd bis Anschlussstelle Nieder-Olm) liegen bei rund 6 Mio. Euro. In einem weiteren Bauabschnitt soll der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Saulheim und Nieder-Olm ebenfalls mit einer temporären Seitenstreifenfreigabe ausgestattet werden. Hierfür müssen zunächst noch die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.


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